Moussa Berlin (IL, Klarinette)

Der am 18. Dezember 1938 in Tel-Aviv geborene Moussa Berlin ist der bekannteste Vertreter der Klezmer- Tradition in Israel und Patriarch eines Stils, der herausragende Klarinettisten wie z.B. Gershon Kletzin und Chilik Frank hervorgebracht hat. Moussas Vater war ein Modzitzer Chassid und obwohl Berlin selbst kein Chassid ist, ist seine Musik seit den frühen 70er Jahren fest in den Traditionen verschiedener chassidischer Gruppen verwurzelt. Als Student an einer nationalreligiösen Yeshiva kam er im Jahre 1952 mit der Klezmer Musik in Kontakt – im Rahmen einer jährlichen Lag Ba’omer-Pilgerfahrt auf den Mount Meron, bei der er Avrom Segal hörte, dem zu dieser Zeit führenden israelischen Klezmer-Interpreten. Der Autodidakt Moussa wurde ein regelmässiger Besucher beim Lag Ba’omer Fest auf dem BergMeron und an Segals Seite lernte er seit 1961 dessen Repertoire und Stil. Im Jahre 1973 trat er Segals Nachfolge als erster Klarinettist an. Schon in den 60er Jahren eignete sich Moussa das Repertoire von Schellackplatten europäischer und amerikanischer Klezmorim an, das er in Israel ein Jahrzehnt vor dem amerikanischen Klezmer-Revival einführte.

1984 gründete Berlin die Gruppe Sulam (Klezmer Music from Tel Aviv; Wergo CD SM 1506-2, 1992), der unter anderen der bekannte, aus der UdSSR eingewanderte Jazzmusiker Roman Kunsman angehörte. Bis 1990 arbeitete Berlin hauptberuflich als Software-Ingenieur, bevor er sich als Berufsmusiker ausschließlich der Musik widmete. Er spielt für alle Gruppen der israelisch-orthodoxen Gesellschaft und ist der einzige unter den orthodoxen Klezmorim, der auch regelmäßig Konzerte für säkulare israelische Zuhörer gibt und Kontakte mit Klezmer-Ensembles in den USA und Europa pflegt, wo er mit Musikern wie Joel Rubin, Brave Old World, und den Klezmatics auftritt. Diese Offenheit macht ihn in der Geschichte der israelischen Klezmermusik zu einem Wanderer zwischen den Welten.

Seine Tourneen führten ihn in die Schweiz, nach Deutschland, Polen und Russland. Außerdem produzierte er Aufnahmen für Radioprogramme, Kassetten und CDs, leitete Workshops und unterrichtete praktische Kurse an der Bar-Ilan Universität. In Moussa’s Worten sollten Klezmer-Musiker*innen „sich wie ein Instrument verhalten, demütig, ohne fremde Gedanken außer solchen, die sich mit der Musik beschäftigen. Darüber hinaus ... sollte der Musiker nur diesen Gedanken haben: wie kann ich in einer Art und Weise musizieren, dass ‘die Hand Gottes’ auf uns ruht. Musik an sich ist im Judentum nur ein Weg um himmlische Inspiration zu erhalten.“

Foto: Shakhar Cohen