Die Kunst des Geschichtenerzählens  7. – 11.8.
10:00 - 13:00 & 15:00 - 18:00

Mit Yuri Vedenyapin



"Amol iz geven a mayse" ("Es war einmal") – so beginnt eines der bekanntesten jiddischen Volkslieder. Und doch, wann immer eine Geschichte erzählt wird, egal wie alt sie ist, wird sie jedes Mal neu belebt. Der traditionelle Eröffnungssatz „Es war einmal“ beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Gegenwart und die Relevanz der Geschichte für unser Leben heute. Der Workshop „Die Kunst des Geschichtenerzählens”, den wir in Weimar zum zweiten Mal anbieten, wird sich intensiv mit den Fragen beschäftigen, wie man jiddische Geschichten findet, sie anpasst und wie man sie präsentiert. Folgende Themen werden wir ansprechen: 


• Quellen für jiddische Geschichten: Wir werden uns eine Reihe von Themen und Zugängen durch jiddische Bibelübersetzungen, chassidische Erzählungen und durch die Arbeiten literarischer Geschichtenerzähler wie Sholem Aleichem und Isaac Bashevis Singer erschließen. Außerdem werden wir die Rolle nicht-jüdischen Materials untersuchen und analysieren, wie wir solches Material nutzen und in eine jiddische Geschichte integrieren können. 


• Die verschiedenen Möglichkeiten und ihre Begrenzungen, wie wir eine Geschichte mit anderen teilen können: eine Geschichte vorgelesen aus einem Buch, eine Geschichte schauspielerisch dargestellt, eine Geschichte auswendig erzählt sowie die Improvisation während des Erzählens. 


• Geschichten in verschiedenen Stimmungen, von Standup Comedy bis hin zu Geschichten, die von Tragödien und Verlusten erzählen. Wir untersuchen, welche Emotionen verschiedene Arten von Geschichten bei den Zuhörenden auslösen und wie diese Reaktionen sowohl den Erzählenden als auch dem Publikum zu Gute kommen. 


• Das jiddische Lexikon. Jiddisch ist eine Sprache mit einem sehr reichen Vokabular und sehr offen gegenüber linguistischen Neuerungen - zum einen dadurch, dass Wörter anderer Sprachen angenommen werden, zum anderen dadurch, dass von den Sprechenden neue Wörter geschaffen werden. Wir werden in diese sprachlichen Reichtümer eintauchen und werden einige der einzigartigen linguistischen Werkzeuge zu nutzen lernen, die uns die jiddische Sprache zur Verfügung stellt. Jede Sprache hat ihre eigene interne Logik. Einzelne Wörter haben spezifische Konnotationen und werden mit anderen Wörtern, Bildern oder ganzen Geschichten assoziiert. Wie das Sprichwort sagt: Az men zogt alef, muz men zogn beys (Wenn man A sagt, muss man auch B sagen). Wenn wir beispielsweise entdecken, dass es das Beste ist, von B nicht zu berichten, um eine spannende Geschichte zu erzählen, so ist es doch sicherlich hilfreich zu wissen, was B eigentlich ist. 


• Die Rolle von Übersetzung, Wiederholung und Erklärung, wenn man jiddische Geschichten einem Publikum erzählt, das wenig oder kein Jiddisch versteht.

Teilnehmende des Kurses sind aufgefordert, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, um Rückmeldung des Dozenten und der anderen Teilnehmenden zu erhalten.

Die Kurssprache ist durchgehend das Jiddische; alle Interessierte, die als Geschichtenerzähler*innen teilnehmen wollen, sollten diese Sprache also gut beherrschen. Wenn Du das Gefühl hast, dass noch nicht gut genug jiddisch sprechen kannst, um selbst Geschichten in dieser Sprache zu erzählen, dann kannst Du trotzdem sehr gern an diesem Kurs teilnehmen, Erzähltraditionen aus erster Hand kennenlernen und den Geschichten zuhören – das könnte eine gute Motivation sein, Deine Jiddischfähigkeiten auszubauen und in den nächsten Jahren noch aktiver am Kurs teilzunehmen.

Wenn du Fragen zu diesem Workshop hast oder Dir unsicher bist, ob er der richtige für Dich ist, dann kontaktiere Andreas Schmitges: andreas.schmitges@othermusic.eu

Workshopgebühr: Standard 345 € / Reduziert 270 € / Förderer 470 € / Unter 18 Jahre 180 €
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