Tanzorchester
Drei Tanzmusikwelten – Chassidisch, Klezmer, Balfolk
11. - 15.8.2026
10:00 - 13:00 & 15:00 - 18:00 | Mittelstufe & Fortgeschrittene
mit Szilvia Csaranko, Susi Evans, Vivien Zeller & Craig Judelman

Dieses Jahr probieren wir mit dem Tanzorchester und den Tanzworkshops etwas Neues und sehr Spannendes aus. Jiddische tantshayzer (Tanzhäuser) entstehen derzeit überall in Europa und Nordamerika, und das jiddische Tanzen erlebt gerade ein erstaunliches Comeback. Diese neue jiddische Tanzszene kreuzt sich gelegentlich mit der internationalen Balfolk-Szene – einer unglaublich lebendigen aktuellen Tanz- und Musikkultur, die auf verschiedenen europäischen Tanztraditionen basiert und besonders bei jungen Menschen sehr beliebt ist. Wir fanden, es ist höchste Zeit, diese beiden Tanzwelten an einem Ort zusammenzubringen – und welcher Ort wäre dafür besser geeignet als Yiddish Summer Weimar?
Und weil man von einer guten Sache nie genug haben kann, werden wir uns auch intensiv mit zeitgenössischem chassidischem Tanz und Tanzmusik beschäftigen. Diese lebendige Tradition reicht tief ins Innere jeder Tänzerin und jedes Tänzers hinein und tritt dann mit erstaunlicher Sinnlichkeit, Energie, Freiheit und Ekstase wieder hervor.
Das Tanzorchester ist musikalischer Spaß von Anfang bis Ende! In diesem Jahr erkunden wir drei verschiedene Stile und Repertoires: Musik für traditionellen, säkularen jiddischen Tanz, Musik für zeitgenössischen chassidischen Tanz und Musik für Balfolk-Tänze. Mehr über jedes dieser Repertoires könnt Ihr weiter unten lesen.
Dies ist ein Repertoire- und Stil-Workshop: Etwa 90% der Zeit arbeiten wir mit Noten und beschäftigen uns damit, wie Musik und Tanz zusammenwirken. Außerdem gibt es jeden Abend Musik- und Tanz-Jam-Sessions bzw. Partys sowie am Ende des Workshops unseren berühmten öffentlichen Tanzball mit Live-Orchester (Euch!). Wenn Ihr Balfolk-Fans seid, kommt zu Yiddish Summer Weimar und erlebt die ganz andere, aber ebenso energiegeladene und mitreißende Welt der jiddischen und chassidischen Tanzmusik! Und wenn Ihr Fans jiddischer Tanzmusik seid, verpasst nicht die Gelegenheit, tief in chassidische und Balfolk-Tanzmusik einzutauchen! Und jetzt lest bitte die folgenden „Hot Tips“:
Hot Tip #1 Um an diesem Workshop teilzunehmen, solltet Ihr Euer Instrument wirklich sicher beherrschen – wir werden uns in einem zügigen Tempo bewegen! Die meisten Noten erhaltet Ihr bereits vor Eurer Ankunft in Weimar, damit Ihr Zeit habt, sie zu üben und freier zu spielen. Noten werden für alle transponierenden Instrumente bereitgestellt (C, B♭, E♭, Bassschlüssel). Die Hauptunterrichtssprache ist Englisch, bei Bedarf mit Unterstützung auf Deutsch und Russisch.
Hot Tip #2 Wenn Ihr gerne ein vielfältiges Repertoire in einem großen musikalischen Ensemble unter fachkundiger Leitung spielt und sowohl Euer Instrument als auch das Notenlesen gut beherrscht, ist dieser Workshop genau richtig für Euch! Wenn Ihr Euch eher für eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Elementen des Klezmer-Stils interessiert oder lieber nach Gehör lernt, empfehlen wir stattdessen den Workshop Einführung in jiddische Instrumentalmusik oder den Workshop Jiddische Instrumentalmusik (Klezmer) - Mittelstufe.
Hot Tip #3 Ist dieser Workshop das Richtige für mich? Macht die Selbsteinschätzung und findet es heraus!
Hot Tip #4 Die Zahl der Plätze für Klarinetten im Tanzorchester ist begrenzt (sonst verdrängen die Klarinetten alle anderen Instrumente). Wenn Ihr also Klarinettist*innen seid, meldet Euch frühzeitig an, um sicher einen Platz zu bekommen.
Hot Tip #5 Falls Du neugierig bist und mehr über die Tanz- und Musikwelten, die wir erkunden werden, erfahren möchtest, kannst Du Dich hier ein bisschen einlesen:
Über Balfolk
von Vivien Zeller alles lesen
Über Balfolk
von Vivien Zeller
Balfolk ist eine lebendige europäische Tanz- und Musikkultur, die auf traditionellen Tänzen aus verschiedenen Regionen Europas basiert – besonders aus Frankreich und der Bretagne – und bis heute in einer modernen sozialen Tanzszene floriert. Dabei beschränkt sich das Tanzen nicht nur auf traditionelle Melodien. In den letzten 40 Jahren hat sich eine dynamische Musikszene entwickelt, in der viele neue Tanzmusik-Kompositionen im Balfolk-Stil entstanden sind.
Im Tanzorchester konzentrieren wir uns auf die besondere Energie der Balfolk-Tanzmusik. Gemeinsam arbeiten wir an Arrangements für typische Balfolk-Tänze wie Mazurka, Schottisch, Bourrée und Rondeau und entdecken, wie einzelne Stimmen zusammenkommen und einen energiegeladenen Ensemblesound entstehen lassen.
Dabei schauen wir uns an, wie ein größeres Ensemble gestaltet werden kann: Melodien, zweite Stimmen, rhythmische Begleitungen und Basslinien greifen ineinander und erzeugen den Groove, der die Tänzer*innen trägt. Außerdem arbeiten wir an typischen stilistischen Merkmalen der Balfolk-Musik – an Phrasierung, Dynamik und daran, wie Musik den Tanz unterstützt. Auch Tanzlieder sind ein wichtiger Teil des Balfolk-Repertoires, und es ist gut möglich, dass ein oder zwei davon auch in unserem Dance Orchestra auftauchen. schließen
Über chassidische Musik
von Alan Bern alles lesen
Über chassidische Musik
von Alan Bern
Das chassidische Judentum entstand im 18. Jahrhundert in Osteuropa als spirituelle Erneuerungsbewegung, in der Musik von Anfang an eine absolut zentrale Rolle gespielt hat. Heute gibt es über 100 verschiedene chassidische Dynastien, die vor allem in Nordamerika, Israel und Belgien beheimatet sind – jede mit ihren eigenen musikalischen Traditionen und Repertoires. Gemeinsam ist ihnen die Betonung der spirituellen Funktion von Musik: ihre Fähigkeit, Sänger*innen oder Instrumentalist*innen von einem Zustand tiefer, kontemplativer Hingabe in einen Zustand euphorischer Ekstase zu führen.
Traditionell überschneiden sich chassidische Musik und Klezmermusik stark, besonders im Tanzrepertoire. Viele Melodien, die wir heute als Freylekhs oder Bulgars kennen, sind aus der Klezmermusik in die chassidische Musik gelangt – und umgekehrt. Mit dem Wachstum und der Weiterentwicklung der chassidischen Gemeinschaften haben sich jedoch Repertoire, Stil, Rhythmen und Stimmungen im Laufe der Zeit stark verändert, insbesondere seit der Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss von Popmusik und Musik aus dem Nahen Osten. So ist zum Beispiel das Genre Freylekhs in der zeitgenössischen chassidischen Musik sehr beliebt: Es umfasst viele bekannte Klezmermelodien, wird aber mit einem Beat gespielt, der aus der arabischen Musik stammt, und nutzt Harmonien, Arrangements und Effekte aus der modernen Popmusik.
Im Tanzorchester werden wir sowohl den zeitgenössischen chassidischen Stil auf vertraute Klezmermelodien anwenden als auch Musik erkunden, die innerhalb chassidischer Gemeinschaften komponiert wurde. Unser Ziel ist es, Musik zu gestalten, die die spirituellen Qualitäten des chassidischen Tanzes vollständig unterstützt. Wir haben das große Glück, mit Eli Benedict einen Tanzlehrer und Begleiter zu haben, der uns dabei anleiten wird.
Bitte lies den folgenden Artikel über chassidischen Tanz, den Eli geschrieben hat, um ein lebendigeres Bild davon zu bekommen, was Dich erwartet. schließen
Über chassidischen Tanz: Die Kunst und Seele der Bewegung
von Eli Benedict (Dozent im YSW26 Tanzworkshop) alles lesen
Über chassidischen Tanz: Die Kunst und Seele der Bewegung
von Eli Benedict (Dozent im YSW26 Tanzworkshop)
Chassidischer Tanz ist mehr als nur ein freudiger Ausdruck – er ist eine reiche und geheimnisvolle Bewegungstradition, in der sich Spiritualität, persönliche Emotion und künstlerische Form miteinander verweben. Er eröffnet sowohl den Zugang zu gemeinschaftlicher Verbundenheit als auch zu tiefer Selbstreflexion. Gesten und Schritte sind von Bedeutungen durchdrungen, die über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden – wie ein Flüstern durch die Zeit. In dieser Tradition aufgewachsen, hat Eli Benedict diese Tänze seit seiner Kindheit aufgenommen und ihren Rhythmus, ihre improvisatorische Freiheit und die dahinterstehende Philosophie verinnerlicht.
Der Tanzworkshop bietet eine praktische Reise in die lebendige Welt des chassidischen Tanzes – eine Kunstform, in der Bewegung zum Erzählen wird und der Körper auf eine Weise spricht, die Worte nicht erreichen können. Die Teilnehmenden begegnen einem breiten Spektrum von Tanzformen innerhalb dieser Tradition: Solotänzen, Paartänzen, Kreistänzen, größeren Gruppentänzen sowie theatralischen oder Bühnenformen.
Im Zusammenhang mit dem diesjährigen Festivalthema über Frauen in der jiddischen Kultur wird der Workshop auch Tanztraditionen von Frauen und Bewegungsformen aufgreifen, die sich in weiblichen sozialen Räumen des aschkenasischen Lebens entwickelt haben.
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